Gangster & Kometen
Stell dir vor das wär ein Chevy und wir führen ohne Verdeck,
und ein Tape von Willie Nelson aus der großen Box im Eck.
Der Horizont flimmert, doch der Fahrtwind macht es frisch,
und die Landstraße im Frühherbst wär ein Highway eigentlich.
Du wärst geboren im elften Monat eines ungeraden Jahrs,
genau auf diesem Rücksitz, quasi Teil des Inventars.
Und jeder angebrochne Tag, geformt aus Schall und Rauch,
der je auf deiner Strecke lag, war staubig und gebraucht.
Wenn die Sonne für’n Moment nicht durch die Scheiben fällt,
haben sie direkt ins Panorama noch ein Hochhaus gestellt.
Denk nur nicht wir bräuchten nichts, wir brauchen Sprit und dafür Geld,
damit die Sonne noch ne Weile durch die Scheiben fällt.
Stell dir vor du könntest du selbst sein und wärst dabei noch charmant,
wüsstest immer ne Geschichte, wenn auch meist aus zweiter Hand.
An jedem Hinterzimmertisch wär deins das letzte As das sticht,
und wo der Kratzer auf der Haube ist, hätt ne Kugel uns erwischt.
Wenn die Sonne..
Leg die Stirn nicht in Falten, ist doch alles nicht so schlimm.
Du darfst mich sogar behalten, als wär ich der Hauptgewinn.
Und die Welt wär endlich rund, so wie das Rad an dem ich dreh,
und der Penner an der Ecke wär ein Heiliger in spe.
Wenn die Sonne…
Zwischen Gangstern und Kometen, da weiß ich wo ich bin.
Die Wolken so weit oben und ich so mittendrin.
Grundlagen der Gravitation
Es war nur Spaß bei Mondaufgang.
Sein Herz war sicher wie ne Bank.
War es ein Trick, war’s Zaubertrank?
Sie zog ihn nicht mal als er sank.
Der Vorhang dämmt das Firmament,
sie zeigt ihm wie man Motten fängt.
Ein Blick der keine Zweifel kennt.
Sie kriegt ihn nicht, sie hat ihn längst.
Auf der Leinwand steht in bunter Schrift:
‚Vergiss die Welt, ihr braucht sie nicht!’
Und soweit es dich betrifft ist es besser als es je geplant war.
Es gibt keinen hier der nicht gewarnt war.
Wenn das Licht angeht, wenn das Licht angeht, wenn das Licht angeht,
dann ist es völlig egal auf einmal wie sehr du dich gewehrt hast.
Du tanzt und Sophie hält dich fest und den Rest macht die Schwerkraft.
Sie kennt den Spielstand ganz genau.
Sie weiß wer von euch auf Treibsand baut,
wer hier die Maus ist und wer die Frau.
Das hier ist Offline-Poker und nicht Mau-Mau.
Sie sagt dir nicht wohin es geht,
bestenfalls was in den Sternen steht.
Dein Kompass folgt ihrem Magnet.
Jeder Laut ein Stoßgebet.
Auf der Leinwand steht…
Am Anfang war das Licht und dann
ihr blasser Rücken an der Wand.
Ihr Mund versperrt den Notausgang
und es ist besser als es je geplant war.
1000 Stunden
Wenn jetzt einer losging, nur so vor sich hin,
könnt er in knapp 1000 Stunden in Venedig sein.
Er bräuchte leichtes Gepäck, nur für Mittag n Snack,
und ob er je zurückkäm läg bei ihm ganz allein.
Wenn einer Briefmarken hätte, vom Boden bis zur Decke,
und er blieb Sammler sein ganzes Leben,
er könnt den Mond frankieren, damit zum Postamt marschieren,
und ihn als Eilsendung nach New York aufgeben.
Würd einer jetzt darauf wetten dass die Rockies sich glätten,
wär er in zehn Lichtjahren vielleicht schon Millionär.
Er könnt sich Milchshakes kaufen, genug zum drin ersaufen,
und mit der Badewanne segeln durch sein Erdbeermeer.
Wenn jetzt grad einer aufsteht, auf nem andern Planet,
und er sieht dich hier strampeln auf unserer Welt,
er könnt den Eindruck gewinnen, von hier gäb’s kein Entrinnen,
nicht als Nummer und schon gar nicht als Held.
Wenn einer alles verstünde, alle Zwänge und Gründe,
er bräucht keinen Satellit um dir zu sagen: ‚es regnet’.
Er fänd mit reiner Physik 1000 Wege ins Glück.
Ob er schon unter uns weilt? Ich bin ihm noch nicht begegnet.
Wenn jetzt einer losging, nur so vor sich hin,
könnt er in knapp 1000 Stunden in Venedig sein.
Und der eine wär ich, und ich zögerte nicht,
und ob ich je zurückkäm, läg bei mir ganz allein.
Im Schatten meiner Wand
Die Flaschen stehen am selben Platz,
in Reih und Glied und leer,
wohin mit mir wohl letzte Nacht
kein Mensch gegangen wär.
Gespenster singen falsche Töne
überm Flaschenrand.
Ein Tag erstrahlt in blassem Silber,
im Schatten meiner Wand.
Hat einer sich das ausgedacht,
der Geigen streicht und Glocken läutet,
der vagen Schein zu Wahrheit macht,
und Tatsachen wie Träume deutet?
Die Sterne machen selten Rast,
doch der Mitternachtsprophet
verrät, dass die, der du gewunken hast
noch am selben Fenster steht.
Wolken gießen Regenbilder
in den nassen Sand.
Ein Tag erstrahlt in blassem Silber,
im Schatten meiner Wand.
Den nassen Sachen auf der Wäscheleine geht’s gut,
die können nicht klagen.
Und ich sitz hier und lass Drachen steigen schon seit Tagen.
Große Pläne
Er war der Letzte am Tresen und der erste zurück auf dem Boden,
und der Himmel über ihm war wieder mal wie gemalt.
Alle Biere sind endlich und sonst ist nichts mehr geboten.
Das Letzte, soweit er wusste, war noch nicht mal bezahlt.
Ein Tag ist wie der andere in der Südstadt
und das Bild im Glas der Spiegel seiner Welt.
Die Nächte schmecken lieblich wenn man Glück hat,
oder trocken wie Merlot für wenig Geld.
Sie war spät dran für die Schicht und heut zu nichts zu gebrauchen,
und die weite Allee lag vor ihr wie ein rauschender Fluss.
Sie braucht ihren Kaffee to go als triftigen Grund um zu rauchen.
Noch drei Schluck, drei Züge, dann kommt auch schon der Bus.
Sie hat n Akzent und wenn sie lächelt könnte man weinen.
Und n Freund in Berlin der nicht anruft oder schreibt.
Es ist Oktober grad, und Winter im Allgemeinen,
und er kann nicht fassen was es hier ans Ufer treibt.
Und jedes Wort aus jeder Szene
kommt wieder in nem Traum.
Nichts brennt so gut wie große Pläne.
Sind sie nicht herrlich anzuschauen!
Sie sagte ihrem Chef, sie hat die Grippe
und mit den Wochen wurden Windpocken daraus.
Sie saßen auf dem Spielplatz auf der Wippe
und wenn sie oben war sah er zu ihr hinauf.
Er zog zu ihr auf den Hügel in den Altbau.
Sie passten grade so zu zweit in den VW.
Mit seiner Jukebox und dem blinden Kater Waltraud,
und zum nächsten Ersten waren sie ne WG.
Sie sahen zusammen Amelie im Casablanca
und sie kauften sich den Soundtrack noch dazu.
Sie drehte seine Joints wenn er mal krank war
und sagte: ‚denk nicht, dass ich das für jeden tu.’
Im Frühling kam das Tief mit all dem Regen.
Mit ihr reden war wie Smalltalk mit der Wand.
Als sein Blick sie endlich traf wurd sie verlegen
und die Kaffeekanne fiel ihm aus der Hand
Und jedes Wort aus jeder Szene
kommt wieder in nem Traum.
Nichts brennt so gut wie große Pläne.
Sind sie nicht herrlich anzuschauen!
Er sagt, ich kenn noch Leute in der Südstadt.
Ich kenn Plätze wo es warm ist für ne Nacht.
Und er fragt sie nicht ob sie ihn je geliebt hat,
weil er weiß, sie ist nur einfach aufgewacht.
Er war der Letzte am Tresen und wieder zurück auf’m Boden,
und der Himmel über ihm war wie gemalt.
Alle Biere sind endlich und sonst ist nichts mehr geboten.
Das Letzte war nicht mal bezahlt.
Seepferdchenzeug
Sie haben dein Video gezeigt. Man hat es ganz kurz gesehen.
Du hast die Jungs alarmiert und Hallelujah geschrien.
Du hast die Breitbildmaschine nah ans Sofa gerückt,
dann um Ruhe gebeten und auf lauter gedrückt.
Im Kanal deiner Wahl, beste Sendezeit.
Das ist nicht irgendein Scheiß, das ist bundesweit.
Du bist fast schon Legende, du bist massentauglich,
dein Stern ist am steigen, es ist nichts als unglaublich.
Du auf dem Surfbrett und die Welle so groß
wie ein Zweifamilienhaus, und du in ihrem Schoß.
Und wie du sie reitest, wie n Araberhengst,
und dann kommt das Beste, Alle kennen es längst.
Der Hai kommt von rechts, Alle warten schon drauf.
Er schnappt sich dein Bein und dann macht er sich auf.
Du hältst die Balance, doch das Bild wackelt leicht
und man sieht nicht wie du ihm den Mittelfinger zeigst.
Schade drum…
Die Bilder sind stark, es bedarf keines Worts
bei den dümmsten Deutschen in Bermuda-Shorts.
Wo bleibt dein Nachwuchs-Comedy-Award
für den dümmsten Deutschen in Bermuda-Shorts?
Und erzähl mir nicht, das passiert jedem Deppen.
Das war kein Seepferdchenzeug, das war Freischwimmerbecken.
Und erzähl mir nicht, das passiert jedem Horst,
nur dem dümmsten Deutschen in Bermuda-Shorts.
Zirkusclown
Noch zwei Minuten bis Showtime, dann gehört dir die Nacht.
Wo ging’s noch zur Bühne und wie hieß noch die Stadt?
Finden sie dich noch komisch und n bisschen genial?
Du kannst sie nicht hören durch die Stille im Saal.
Es gibt nichts zu holen hier, oder dein Horoskop belügt dich.
Wie viele Leben hat n ein Zirkusclown, und wie viele sind davon noch übrig?
Du blickst auf dein Testbild, lang nach Sendeschluss.
Erst verlierst du den Faden, dann verlierst du die Lust.
Dein Kosmos steht still. Nur die Scheibenwelt dreht sich.
Du blickst auf dein Testbild und Zurückspulen geht nicht.
Es ist später als du dachtest, oder das Ziffernblatt betrügt dich.
Wie viele Leben hat ein Kettenhund, und wie viele sind davon noch übrig?
Und sag Bescheid, sag Bescheid wenn du weißt,
wo hier der Schalter ist für Unglaublichkeit.
Wenn du im Strandkorb liegst und plötzlich, wie ein Geist,
ein wahrhaftiger Mojito-Gott am Horizont erscheint.
Es gibt nichts zu holen hier, oder dein Horoskop belügt dich.
Wie viele Leben hat ein Zirkusclown, und wie viele sind davon noch übrig?
Vorstadtzug
Manchmal find ich surreal, was andern Menschen ganz normal erscheint.
Manchmal sitz ich an nem Sommertag in nem Vorstadtzug und denke nach,
ganz unbedarft zwischen zwei Stationen, nenn es Tagtraum oder Visionen.
Und ich seh was das keiner sieht, weil’s irgendwie zwischen den Zeilen steht.
Mir war in meiner Rotweinschwere, als ob da ne Weiche wäre,
die mich hochhebt und fliegen lässt, wie Einen übers Kuckucksnest.
Manchmal find ich surreal…
Neben mir, der alte Mann, starrt das Karomuster an.
Sein Blick schweift ab, weit weg von hier, durch ne unsichtbare Tür.
Nach dem Krieg im ersten Jahr, als seine Klara siebzehn war.
Der Tag am Meer, der Zuckerguss, der eine wahre Kuss.
Er hat sein Ticket nicht dabei. Der Schaffner droht mit Polizei.
Was macht das schon wenn du nicht mehr weißt wo du wohnst und wie du heißt?
Manchmal find ich surreal…
Wie bei dem Mädchen gegenüber, sie schaut mal rüber, hin und wieder.
Auf der Richterskala ein leichtes Beben, ne Erinnerung aus nem andern Leben.
Ich seh sie vor mir vor ner halben Stunde, gepackte Koffer, die letzte Runde
mit dem Vermieter durch die leeren Zimmer. Der Boiler boilt nicht, so wie immer.
„So wahr ich hier vor Ihnen steh“, er glaubt ihr nicht, Kaution ade.
Den ganzen langen Weg zurück, zum vollen Preis, das halbe Glück.
Manchmal find ich surreal…
Ich seh wilden Westen vor dem Fenster. Wer hat Angst vorm Postzuggangster?
Der Schlaf erreicht die Ahnungslosen zumeist in viel zu starken Dosen.
Und wenn ich meinen Halt verpasse, mich vom Bahnhofslärm nicht wecken lasse,
wird mir vielleicht auch selber klar dass ganz egal ist wohin ich fahr.
Deine Mutter
Du kriegst den Blues nicht nach zwei Cola, du kriegst ihn nicht nach zehn.
Du kriegst den Blues nicht nach zwei Cola, du kriegst ihn nicht nach zehn.
Du verstehst nicht was ich meine? Was gibt’s da zu verstehn?
Du kriegst den Rap nicht auf die Reihe, da kommst du auch zu spät.
Du kriegst den Rap nicht auf die Reihe, da kommst du auch zu spät.
Der letzte Killer aus der Szene disst jetzt vor Penny zum Playback.
Dein Pech, dein Problem, deine Mutter…
Du trägst den Scheitel auf der Linken, da käm ich noch drauf klar.
Du trägst den Scheitel auf der Linken, da käm ich noch drauf klar.
Mich stört dein Piraten-Sticker und dein IT-Vokabular.
Ist es in Mitte so beschaulich? Bei uns zuhaus verträgt man mehr.
Habt ihr da nur so süße Sachen mit Früchten drin und Weltstadt-Flavour?
Bei uns gibt’s so was zum Dessert.
Häng dein Ego tief ins Eisfach, dann schmerzt er nicht so sehr.
Dein Pech, dein Problem, deine Mutter…
Letzten Winter
Wie steht’s mit uns beiden? Ich kann die Großstadt nicht leiden
doch dich umso mehr.
Das ist mir geblieben. Der Traum kam zum liegen
und jetzt wird er zu schwer.
Ich brauch meine Ruhe. Unsre Schatzinsel-Truhe
ist doch voll bis zum Rand.
Ich hab Angst dass wir sinken. Wo die Leuchttürme blinken
ist vielleicht nicht mal Land.
Du sagst es sei schon okay und es sei auch schon spät
und du schliefst schon so fest,
und dass es schon klappt wenn man Reißleinen kappt
und sich nur treiben lässt.
Irgendwie bist du nicht mehr die die du warst, letzten Winter.
Und irgendwie bist du’s doch, und du warst es schon immer.
Die Stadt wird mir fremder vom vielen bei dir sein.
Ich wachs langsam fest.
Wir wissen beide genau, das Glück wird mit ihr sein
und für uns bleibt der Rest
von wertlosen Dingen und traurigen Stimmen
im Treppenhaus.
Und keiner vergisst, unsre Klingel zu drücken
wenn er mal wieder zwei Deppen braucht.
Irgendwie bist du nicht mehr die die du warst, letzten Winter.
Und irgendwie bist du’s doch, und du warst es schon immer.
Irgendwie hab ich gehofft dass mein Schutzengel klopft,
und sagt, mach’s nicht noch schlimmer.
Doch ich dreh mich um dich, du drehst dich um mich,
und wir drehen uns für immer.
Doch ich dreh mich um dich, wir drehen uns ins Nichts
und es wird wieder Winter.
Bilder der flüchtigen Welt
Sie braucht dich nicht am Bahnsteig, wohin es sie auch weht.
Sie braucht nicht deinen Kompass und auch keinen Prophet.
Du fühlst dich wie ein Märchenprinz, du fühlst dich wie ein Held.
Und am Ende waren’s nur Bilder.
Du suchst sie in den Sternen, du suchst sie tief im Meer,
und wenn dir mal was dämmert, dann meistens hinterher.
Was immer dich auch wach hält, was immer dich auch quält,
am Ende waren’s nur Bilder der flüchtigen Welt.
Am Ende waren’s nur Bilder.
Du schaust zum Kreuz des Südens, du schaust auf dein Klavier.
Du wirst nicht Einen finden, der viel weiter ist als ihr.
Der nicht noch immer sucht, nach nem Platz der ihm gefällt.
Und am Ende waren’s nur Bilder.
Es liegt in deinen Händen, doch es liegt dir auch im Blut,
Du träumst von Dingen die man lässt um dann zu lassen was man tut.
Was immer dich mal flachlegt, und wo der Vorhang fällt,
am Ende waren’s nur Bilder der flüchtigen Welt.
Am Ende waren’s nur…
Du siehst so blass aus unterm Regencape.
Haben sie dich um deinen Teil der Beute letzten Endes doch geprellt?
Du siehst so nass aus unterm Regencape
und am Ende waren’s nur Bilder der flüchtigen Welt.
Am Ende waren’s nur Bilder.
